Was ist, das war. Ist das wahr? Ein Ausflug in die Zeit von Noah.

noah-hayungsZitiert aus „Schrifttexterklärungen“, Jakob Lorber
Hervorhebungen in Fett von mir, Anmerkungen in Kursiv

13. Kapitel – „Gleich aber wie da waren die Tage Noahs, so wird auch sein die Ankunft des Menschensohnes.“ (Matthäus 24,37)

11. Januar 1844 abends

Schreibet nur nieder, was ihr habt!
„Gleich aber wie da waren die Tage Noahs, so wird auch sein die Ankunft des Menschensohnes.“
Ihr habt den Text angesetzt und schon wieder den rechten getroffen; nur liegt die Sache in diesem Texte zu offenkundig vor Augen, oder: diese Zentralsonne steht außerordentlich nahe, so daß es im Ernste wunderlich ist, wenn ihr selbst dieselbe nicht auf den ersten Augenblick erschauet, – besonders aus dem Grunde um so wunderlicher, da ihr die Zeit Noahs nun schon beinahe ganz aufgedeckt vor euch habt.
Ihr wisset ja, wie ebenfalls zu den Zeiten Noahs die Völker der Tiefe sich in allerlei Literatur und Wissenschaft geworfen haben. Ein euch bekannter König der Tiefe war ein großer Schriftsteller. Seinem Beispiel folgten Tausende, und in kurzer Zeit war die damalige Welt mit einer Unzahl von Büchern und Schriften überschwemmt.
Je mehr diese Literatur überhandnahm, je mehr die Menschen lasen und studierten, desto kälter wurden sie in ihren Herzen, – aber zugleich desto raffinierter zur Erfindung aller erdenklichen Bosheit.
Man fing durch die Politik die Menschen zu fangen an, und bald scheute man kein Mittel mehr, wenn es noch so himmelschreiend war, um durch dasselbe irgendeinen eitlen, vorgesteckten herrschsüchtigen Zweck zu erreichen. Man kam am Ende so weit, daß man die Menschen allein nach dem Golde schätzte; wer solches nicht besaß, ward zum Sklaven, ja zum förmlichen Lasttier bestimmt, und man trieb in dieser Weise die Greuelszenen so weit, daß Mir endlich alle Geduld brechen mußte und Ich die Erde nur durch ein allgemeines Gericht vor dem Untergang bewahren konnte.
Also standen – wie euch ziemlich bekannt – die Sachen zu Noahs Zeiten. Wie stehen sie denn jetzt?
Ich habe euch schon vor einer längeren Zeit in den sogenannten ‚Zwölf Stunden‘ gezeigt, wie die Sachen stehen. Wenn Ich euch nun wieder eine neue solche Enthüllung machen würde, da würdet ihr sehr bedeutende Fortschritte der Weltpolitik und der Grausamkeit entdecken; und Ich sage euch: Es fehlt gar nicht mehr viel, daß ihr völlig in die Zeiten Noahs kommen werdet, wo man am Ende sogar gläserne Häuser bauen mußte, damit die Männer der abgefeimtesten Politik allzeit ohne große Schwierigkeit beobachten konnten, was die Untertanen taten. [hört sich stark nach Überwachungsstaat an, oder?]
Doch es bedarf der gläsernen Häuser nicht; die geheime Politik ist auch in eurer Zeit so weit gediehen, daß sie nicht ein Mittel unversucht läßt, um dadurch ihren herrschsüchtigen Zweck zu erreichen. Würdet ihr eingeweiht sein in die Geheimnisse so mancher Staaten, fürwahr, ihr würdet über Hals und Kopf schreien: „Herr, so schlage doch einmal zu! Denn ärger kann es ja doch in der tiefsten Hölle nicht zugehen als da!“
Ich aber will euch nicht einweihen in solche Geheimnisse; denn so ihr nur ein kleines Augenmerk auf die Früchte hinwerfet, so kann es euch nicht entgehen, mit der größten Bestimmtheit zu erschauen, wessen Geistes Kinder solche Propheten sind, die so herrliche Früchte zum Vorschein bringen. Und worin liegt von allem dem der Grund?
Gehen wir in dasjenige Königreich, welches vom Meer umflossen ist. [Großbritannien?] In diesem Königreich findet ihr Bibliotheken und Zeitschriften in einer solchen Menge, daß man mit den Blättern Europa und Asien dreimal belegen könnte, und nirgends wird so viel gelesen wie in diesem Königreich; aber auch nicht leichtlich findet ihr irgendwo eine größere Gefühllosigkeit und gänzliche Verhärtung der Herzen als in eben diesem Königreich! Mit der größten Gleichgültigkeit von der Welt kann da ein vom Golde strotzender, vielbelesener und gelehrter Großer tausend arme, wehklagende, brot- und dachlose Menschen vor seinem Palaste des Hungertodes sterben sehen, ohne im geringsten etwa dazu bewegt zu werden, auch nur einem von den vielen Sterbenden ein Stück Brot zu reichen.
Frage: Ist das nicht eine herrliche Frucht der großen Belesenheit und nicht selten tiefer mathematischer und mechanischer Weisheit?
Ist es nicht herrlich, wenn man sich durch derlei mathematische und mechanische Weisheit arbeitende Maschinen erbauen kann, durch welche Tausende armer Menschen mit einem Schlage brotlos und dem Hungertode preisgegeben werden?
Ist es nicht herrlich, Eisenbahnen zu errichten, durch welche fürs erste eine Menge Fuhrleute und andere Handwerksarbeiter um ihren Verdienst kommen, und fürs zweite durch ebendiese Prachtstraßen dem Landmann so viele Grundstücke zerstört werden, daß er nachher bald genötigt ist, den Bettelstab zu ergreifen? Und welch ein anderer großer Nutzen sieht erst fürs dritte heraus: dieser besteht darin, daß auf solchen Wegen aller Luxus und alle Industrie desselben um so schneller befördert werden kann, damit die arme Menschheit ja desto geschwinder leiblich wie geistig zugrunde gerichtet wird und die Herzen der Reichen baldmöglichst so fest werden wie die Straßen, auf denen sie miteinander durch Handel, Wechsel und Trug konversieren.
Sind das nicht herrliche Früchte großer Belesenheit und daraus hervorgehender Gelehrtheit?
Heißt man nicht den einen gescheiten Mann, der sich seinen Verstand zu Geld machen kann?
Eben darum aber, weil der Verstand so viel Geld einträgt, ist die Liebe ganz außer Kurs gekommen, und die Tätigkeit nach ihr kennt man beinahe nicht mehr. Denn man hat ja Maschinen genug, die aus dem Verstande heraus tätig sind; wozu der Menschenhände?
Denn Menschenhände könnten durch ihre Tätigkeit ja etwa gar in einem oder dem andern großen Geschäftsmann Liebe zu seinen Arbeitern erwecken. Um sich dieser Gefahr nicht auszusetzen, lasse man ja fleißig Maschinen errichten; denn diese arbeiten viel geschwinder und nehmen nie das Herz des Besitzers in Anspruch, sondern höchstens dann und wann, wenn zufälligerweise an ihnen etwas beschädigt wird, den Verstand, der das Beschädigte wieder allenfalls auf dem Wege einer Minuendo-Lizitation ausbessern läßt.
Saget, ob es nicht bei euch buchstäblich also geht?
Das Betteln ist untersagt; aber das Maschinenbauen wird mit Prämien belohnt. Was denn hernach mit den Armen? Oh, da wird ja auch gesorgt! Es gibt ja eine Menge Armenhäuser und Armenväter; es werden Sammlungen angestellt und werden Theater und Bälle gegeben. Dadurch ist für die Armen schon so gut gesorgt, daß die ersteren zu Halbarrestanten werden, und die zweiten, noch Freien, bekommen monatlich eine so erstaunliche Summe, daß sie sich mit derselben höchstens an einem Tage einmal halbwegs satt essen könnten. Wieviel aus der Armenkasse so ein Armer bekommt, brauche Ich euch nicht bekanntzugeben; das wißt ihr hoffentlich selbst.
Stellet aber neben solcher Beteilung das menschliche Bedürfnis auf und das Verbot zu betteln, so wird es euch sicher klar, wie ‚vortrefflich‘ für jene Arme gesorgt ist, die noch glücklicherweise aus irgendeinem solchen Fonds beteiligt sind. Was aber bleibt für diejenigen übrig, die bei den Armenvätern noch kein Gehör gefunden haben!?
Seht, was das für herrliche Früchte der Literatur, der Belesenheit und der großen Kultur des Verstandes sind!
Wäre es denn nicht besser, weniger zu lesen und zu lernen? Und das bestehe darin, daß man wisse, was die Pflicht eines Menschen, ja gar eines Christen sei!
Wäre es, wie gesagt, nicht besser, nach solcher wenigen, aber nützlichen
Wissenschaft vollauf tätig zu sein und dadurch die wahre Pflicht eines Menschen zu erfüllen, als die Zeit seines ganzen Lebens hindurch zu lesen und zu schreiben, aber die Tätigkeit nach Meinem Worte gänzlich zu vergessen?
Ich sprach es: „Seid nicht eitle Hörer, sondern Täter des Wortes!“ Wo aber sind
diese Täter nun? Sind es etwa die Maschinen- und Luxusfabrikanten? Oder sind es die
Eisenbahndirektoren und Unternehmer? Sind es etwa die Industrieritter oder die
Zuckerplantageninhaber in Amerika? Oder ist es etwa die geld-, gold- und herrschsüchtige Geistlichkeit? Fürwahr, Ich bin doch gewiß mit überaus weitsehenden und scharfen Augen versehen – und bin genötigt, Mir ebenfalls stark vergrößernde Fernrohre zu kreieren, um mit denselben die Täter Meines Wortes auf der Erde aufzusuchen. Bei trillionenmaliger Vergrößerung geht es Mir noch schlecht; denn da zeigt sich die Zahl noch so klein, daß Ich sie fürwahr noch nicht recht ausnehmen kann, ob sie ein Tausender, ein Hunderter, ein Zehner oder gar eine Null ist.
Ich habe daher jetzt ein viel größeres Fernrohr in der Arbeit! Ihr werdet sicher verstehen, was Ich damit sagen will, indem ihr selbst ein wenig daran arbeitet; eine ganze Zentralsonnenscheibe soll zum Objektive dienen. Durch dieses will Ich die Zahl der Täter Meines Wortes genau beschauen. Sollte etwa für die ganze Erde sich ein reiner Zehner darstellen, so will Ich Mein Gericht noch auf tausend Jahre verschieben; wenn aber die Zahl unter Zehn steht, so werde Ich Meine Geduld bis zu einem großen allgemeinen Gericht auf die Zahl der Täter Meines Wortes beschränken, – das heißt für jeden Täter ein Jahr.
Man wird freilich sagen: „Herr! Es gibt ja noch recht viele wohltätige Menschen!“; Ich aber sage darauf: „Ja, es gibt recht viele einhunderttausendstel, einzehntausendstel und eintausendstel, wohl auch einhundertstel Täter Meines Wortes. Wenn Ich sie aber
zusammenaddiere, so wird kaum einer daraus!“
Wieso aber? Was ist der, so er Hunderttausende besitzt und gibt davon an die Armen jährlich höchstens den zehntausendsten Teil seines Vermögens und kennt aber dennoch Mein Wort, das Ich zu dem reichen Jüngling gesprochen habe? Frage: Ist ein solcher mehr als ein Zehntausendstel-Täter Meines Wortes? Wahrlich, nach solchen frage Ich nicht; diese werden sich in Meinem Fernrohre auch nicht ausnehmen, sondern nur die Ganzen!
Zu Noahs Zeiten hatte Ich ebenfalls einen solchen Tubus aufgerichtet; und da Ich nicht mehr fand als acht alleinige Täter Meines Wortes, so ließ Ich das Gericht ergehen. Ich fürchte nun, ob Ich bei der gegenwärtigen Beschauung die Zahl Noahs treffen werde, und das aus dem Grunde, weil die Politik und die Industrie diesmal schon einen bei weitem höheren Gipfel erreicht hat als zu den Zeiten Noahs; und was die allenthalben vorkommende Grausamkeit betrifft, so steht Hanoch nicht um ein Haar vor! Nehmt nur die ‚Zwölf Stunden‘ zur Hand und vergleichet!
Also ist es jetzt, wie es zu den Zeiten Noahs war, eine reife Frucht der Literatur und der großen Belesenheit. Daraus aber wird auch klar, daß das Heil des Menschen nie vom Viellesen und Vielhören, sondern vom Tun nach dem Gesetze der Liebe abhängt!
Ich meine, das dürfte auch klar sein; aber darum nächstens doch eine Zentralsonne
mehr wegen der Vergrößerung des Objektivglases auf Meinem Fernrohre!

Das Wort (1974, S.55) – Entrückung

Der folgende Text ist zitiert aus der Zeitschrift Das Wort (1974, S.55)

RaptureR.V. in K. Ihre Anfrage betrifft die Entrückung gem. 1. Thess. 4, 13 ff. Sie schreiben, aus ihrer Jugendzeit kommen sie aus Darbisten-, später Baptistenkreisen, in denen die Betrachtung des Begriffs „Entrückung“ immer eine große Rolle spielte. Man ist der Meinung, dass mit der Entrückung die Menschheitsgeschichte praktisch zu Ende sei.

Was sagen nun hierüber die Lorberwerke aus?

Antwort: Die Lorberwerke künden viel von der Wiederkunft Jesu Christi, auch von seinem Kommen in den Wolken des Himmels, doch von einer Entrückung „ihm entgegen auf den Wolken in die Luft“, wie es Paulus [in] 1. Thess. 4, 13 ff. verheißt, wissen sie nichts. Es ist wohl einmal von einer Entrückung die Rede (Gr. Ev. X 156, 5), die aber erst bei dem letzten Feuergericht am Ende des 1000jährigen Reiches stattfinden soll, von dem [in] Offenb. 20,9 die Rede ist. Hören wir nun, was Paulus über die Entrückung 1. Thess. 4, 13 ff. schreibt:

(Im Original ist hier die Menge Übersetzung zitiert, ich zitiere die Bibelstelle aus der Schlachter 2000, Anm. d. Verf.)

13 Ich will euch aber, Brüder, nicht in Unwissenheit lassen über die Entschlafenen, damit ihr nicht traurig seid wie die anderen, die keine Hoffnung haben. 14 Denn wenn wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die Entschlafenen durch Jesus mit ihm führen. 15 Denn das sagen wir euch in einem Wort des Herrn: Wir, die wir leben und bis zur Wiederkunft des Herrn übrigbleiben, werden den Entschlafenen nicht zuvorkommen; 16 denn der Herr selbst wird, wenn der Befehl ergeht und die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallt, vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen. 17 Danach werden wir, die wir leben und übrigbleiben, zusammen mit ihnen entrückt werden in Wolken, zur Begegnung mit dem Herrn, in die Luft, und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.

Paulus macht diese Voraussage auf Grund eines Wortes des Herrn. Es ist aber ein solches Herrenwort zu dieser Frage nicht überliefert, sodass er möglicherweise auf eine persönliche Offenbarung Bezug nimmt. Ferner hat man den bestimmten Eindruck, dass Paulus die Hoffnung beseelte, er dürfe die Auferstehung der Gläubigen bei der Wiederkunft Jesu und die Entrükkung noch selbst miterleben. Die Verbreitung solcher Hoffnungen im ersten Jahrhundert, die oft die Frage wachriefen, weshalb der Herr noch immer nicht komme, ist wohl aus der damaligen Endzeiterwartung erklärlich (1. Kor. 15, 51 ff.; 2. Thess. 1, 7; 1. Petr. 1, 13; 5, 4; Hebr. 10, 37).

Pfarrer O. Feuerstein schreibt in seinem aufschlußreichen Büchlein Die Auferstehung des Fleisches:

Gott hat diese irrige Erwartung zugelassen, weil sie damals dazu beitrug, dass die Christenheit wach blieb in Erwartung ihres Herrn und Vaters. In allen Jahrhunderten war seither diese Naherwartung der Wiederkunft des Herrn lebendig. Es waren immer die eifrigsten und ernstesten Christen, die meinten, die Wiederkunft Christi sei jetzt unmittelbar nahe. Paulus hat sich übrigens später korrigiert. Er kam gegen Schluss seines Lebens zur Erkenntnis, dass er noch vor der Wiederkunft Christi sterben werde. Er schreibt deswegen an die Korinther (2. Kor. 5, 8), er habe jetzt Lust, aus dem Leibe auszuwandern und gegenwärtig bei dem Herrn zu sein. Wie Paulus „Lust hatte abzuscheiden, um bei Christus zu sein“ (Phil. 1, 23), oder wie er (2. Kor. 5, 8) glaubt, dass er bei seiner Auswanderung aus dem Leib „gegenwärtig beim Herrn ist“, so musste er dies auch von seinen im Glauben an den Herrn gestorbenen Gemeindegliedern erwarten. Konnte er da wohl noch glauben, dass sie bei einer der Zukunft vorbehaltenen Wiederkunft Jesu wieder in ihren verwesten Leichnamen als Entschlafene aus dem Grabe auferstehen und verwandelt dem Herrn entgegengerückt werden in die Luft, um bei ihm zu sein, nachdem sie schon als Verwandelte – „als aus dem Leib ausgewanderte“ – bewusst fortlebende Geistpersonen beim Herrn waren?

Wenn wir wissen, dass der Mensch nach dem Tode weiterlebt, je nach dem Zustand seiner Liebe und seiner Werke, so werden wir uns doch fragen müssen, was es mit der Auferstehung der in den Gräbern Liegenden bei der Wiederkunft Jesu in den Wolken des Himmels, bei der Stimme des Erzengels, beim Schall der Posaunen für eine Bewandtnis hat.

Wie die Wiederkunft Jesu eine geistige sein wird, so sind auch die damit zusammenhängenden Beschreibungen geistige Entsprechungsbilder. In der materiellen Welt muss alles umhüllt sein, damit das innerste Göttliche nicht verunreinigt werden kann. So ist auch das göttliche Wort durch den Buchstabensinn wie in eine Wolke eingehüllt, in welcher der innere und himmlische Sinn oder die Herrlichkeit des Herrn verborgen ist. Schon im alten Testament verstand man unter der Wolke die Gegenwart des Herrn. Sie bedeckte das Bundeszelt, die Herrlichkeit des Herrn erfüllte die Hütte des Stifts, weil – die Wolke sich darauf niedergelassen hatte (2. Mose 16, 10; 34, 5; 40, 34-38).

Will der Herr uns rein Geistiges verkünden, so kann Er das nur mittels des äußeren Wortes auf dem Wege gleichnishafter Entsprechungsbilder. So sind unter den Engeln mit den Posaunen große göttliche Offenbarungen zu verstehen, die das Gotteswort der Bibel wieder neu erschließen, wodurch die im Geiste tot gemachten Menschen gleichsam aus den Gräbern ihrer Nacht erweckt und dem Herrn geistig entgegengerückt werden.

„In der Zeit der Drangsal wird nach Matth. 24, 29 ff. die Sonne (der Gottesgeist der Liebe und Gnade) sich verfinstern und der Mond (das Verstandeslicht) dadurch seinen Schein verlieren. Die Sterne (alte Erkenntnisse) werden vom Himmel fallen (zunichte werden) und die Kräfte der Himmel (alle göttlichen Kräfte in der Welt) werden in Erschütterung geraten. Dann aber wird das Zeichen des Menschensohnes (das Kreuz als Zeichen der aufopfernden Liebe) am Himmel (vor dem Geist des Menschen) erscheinen. Alle Weltvölker werden wehklagen und den Menschensohn in den Wolken des Himmels (neuen Offenbarungen) mit großer Macht und Herrlichkeit kommen sehen“ (Grdfr. S. 551).

Luk. 17, 31 ff. hören wir noch: „Wer auf dem Dache ist, steige nicht hernieder (wer ein wahres Verständnis hat, bleibe in demselben). Wer auf dem Felde (der Erkenntnisfreiheit) sich befindet, wende sich nicht nach alten Truglehren um. Wo zwei in einer Mühle mahlen (das gleiche tun), in einem Bette schlafen (das gleiche Glaubensbekenntnis haben), wird der wahre Glaube in der Tat angenommen, der andere nicht“ (IX 70).

So wird Jesus in seiner urgöttlichen Persönlichkeit auch niemand richten. Das Gericht bereiten sich die Menschen selbst in ihrem Verhalten dem göttlichen Wort gegenüber. „Wer meine Worte hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Es kommt die Stunde und sie ist schon jetzt, dass die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören und die sie hören werden, werden leben“ (Joh. 5, 24 u. 25).

Die Lorberschriften wissen jedoch auch von einer leiblichen Wiederkunft Jesu. Dabei wird Er aber nicht mehr in einem von einem Weibe gebildeten Fleischleib wiederkommen, sondern in seinem verklärten Geistleib. „Dieser Leib bleibt verklärt, so wie ich als Gott von Ewigkeit, und so benötige ich nimmerdar eines zweiten Leibes“ (IX 94, 2). Wenn ein großer Teil der Menschen Ihn in den Wolken des Himmels, in seinem göttlichen Wort erkannt und erlebt haben wird: „Dann werde Ich auch hie und da persönlich und leibhaftig sichtbar (im verklärten Geistleib) zu denen kommen, die Mich am meisten lieben und nach Meiner Wiederkunft die größte Sehnsucht und dafür auch den vollen und lebendigen Glauben haben werden“.

Und zur letzten Frage: Wie wird das Endgericht für die Sünder, die Ungläubigen, die geistig Toten, für die, welche überhaupt keine Christen sind, aussehen? Wie sieht, abgesehen von dem irdischen Gericht, das sich die Menschen selbst bereiten, bei denen das göttliche Gericht aus?

Da gibt uns Paulus eine wunderbare Schau des göttlichen Heilsplans, der sehr zum Nachdenken anregt: „Gott hat die ganze Menschheit in Ungehorsam fallen lassen, um Erbarmen an allen zu üben. O welch eine unermeßliche Größe der Gnadenfülle, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes. Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege. Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen? Wer hat ihm zuvor etwas gegeben, wofür ihm Vergeltung zuteil werden müßte? Ja, von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.“ (Röm. 11, 32-36 Menge.)

He. Z.